30 – Checkliste Wohngemeinschaften für Menschen mit einer Demenzerkrankung

Informationsblatt Nr. 30

Die Checkliste kann als Hilfestellung bei der Auswahl einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft (WG) genutzt werden. Auch wenn nicht immer alles umzusetzen ist, können Angehörige erheblichen Einfluss auf die Versorgungsqualität in der WG nehmen.

Bewohnende

  • Wie viele Menschen leben in der Wohngemeinschaft?
  • Sind alle Bewohnenden an einer Demenz erkrankt?
  • Passt der/die Angehörige zu den übrigen Bewohnenden im Hinblick auf Krankheitsbild, Alter, spezifische Interessen und Therapien?
  • Wirkt die Wohngemeinschaft harmonisch und ausgeglichen?

Selbstbestimmung

  • Sind die Angehörigen der Bewohnenden miteinander in Kontakt? Besteht für Interessierte die Möglichkeit, vor einer Entscheidung zum Einzug mit ihnen in Kontakt zu treten?
  • Wer lädt zu den Angehörigentreffen ein (sind es Angehörige)?
  • Gibt es ein aktives Angehörigengremium?
  • Gibt es Angehörigensprecherinnen oder -sprecher? Gibt es eine Vertrauensperson?
  • Gibt es eine Gemeinschaftsvereinbarung (regelt das Zusammenleben der Bewohnenden)?
  • Wie viele der Bewohnenden werden durch eine rechtliche Betreuung vertreten?
  • Gibt es für den Umgang mit Konflikten Vereinbarungen? (Beschwerdemanagement)
  • Haben Angehörige Einblick in die Pflegedokumentation? Wird diese wie vorgeschrieben verschlossen verwahrt?
  • Haben die Bewohnenden bzw. deren Angehörige als Mietende die Wohnungsschlüssel? Das sollte selbstverständlich sein.
  • Wie viele der Bewohnenden werden regelmäßig von Angehörigen oder der rechtlichen Betreuung besucht?
  • Bringen sich Angehörige aktiv in den WG-Alltag ein?
  • Ermöglicht es die Lage der WG das gewohnte Umfeld beizubehalten? Liegt die WG in einem lebendigen Wohnquartier mit Möglichkeiten für Spaziergänge, Einkäufe o.ä.?
  • Besteht vor einer Entscheidung zum Einzug die Möglichkeit zu mehrstündigen Besuchen, Probewohnen, Teilnahme an Angehörigentreffen, Gesprächen mit Angehörigen und Pflegekräften?

Personal

  • Gibt es verbindliche Zusagen zum Personaleinsatz?
  • Wie viele Mitarbeitende betreuen in der WG wie viele Menschen?
  • Ist regelmäßig eine dreijährig ausgebildete Pflegefachkraft in der Wohngemeinschaft tätig?
  • Gibt es personelle Mehrfachbesetzung in Kernzeiten?
  • Ist bekannt, wer zu welchen Zeiten in der WG anwesend ist und mit welcher Qualifikation? Gibt es aktuelle Übersichten?
  • Gibt es verbindliche Ansprechpersonen in der Wohngemeinschaft für Anregungen, Fragen, Probleme und Beschwerden?
  • Wie viel Personal verfügt über eine gerontopsychiatrische Zusatzausbildung? Ist es zu weiteren Erkrankungen von WG-Bewohnenden geschult?
  • Finden Personalwechsel häufig oder selten statt? Insbesondere für Menschen mit demenzieller Erkrankung ist Kontinuität besonders wichtig!
  • Sind in der Wohngemeinschaft Ehrenamtliche tätig? Von wo kommen diese? Sind sie zum Thema Demenz geschult?

Wohnen und Wohnumfeld

  • Wie viel Wohnfläche (Einzelzimmer plus Anteil Gemeinschaftsfläche) zur Verfügung? (Der Verein Selbstbestimmtes Wohnen im Alter – SWA e.V. empfiehlt 30 qm/Person mit Zimmern zwischen 12 qm und 20 qm). Achten Sie auf angemessene Mietkosten und prüfen Sie vor Vertragsabschluss, ob bei jetzigem/künftigem Unterstützungsbedarf durch das Sozialamt der geltende Richtwert nicht überschritten wird!
  • Verfügt die Wohngemeinschaft über eine geschützte und frei zugängliche Außenanlage? (Terrasse, Balkon, Garten?)
  • Sind Gemeinschaftsflächen (Küche, Wohnzimmer, Flure, usw.) ausreichend groß? Können z.B. gemeinsame Mahlzeiten eingenommen werden?
  • Hat jede Person ein eigenes Zimmer?
  • Gibt es entsprechend ausreichend Sanitäreinrichtungen?
  • Ist die Wohnung barrierefrei und gut zugänglich? Ist sie stufen- und schwellenfrei, sind Türen ausreichend breit für Rollstühle?
  • Welche Vorkehrungen gibt es zum Brandschutz (2. Rettungsweg, Rauchfrühwarneinrichtung, Rauchmelder, Feuerlöscher, technische Vorkehrungen) und zur Vermeidung von Bränden? Wird das Personal für den Brandfall geschult? Ist eine Betreuungskraft ständig anwesend?

Pflege, Hauswirtschaft, soziale Betreuung

  • Gibt es spezielle Pflege- und Versorgungskonzepte für Menschen mit einer Demenzerkrankung? Lassen Sie sich das Konzept erläutern/aushändigen.
  • Kann der Pflegedienst bei WGs, in denen nicht nur Menschen mit demenzieller Erkrankung leben, nachvollziehbar ein Betreuungskonzept darstellen?
  • Können Bewohnende auch bei Verschlechterung des Gesundheitszustands, gegebenenfalls bis zum Tod verbleiben?
  • Bezieht das Pflegepersonal die Bewohnenden in die alltäglichen Abläufe mit ein? (z.B. beim Kochen oder Abwaschen)
  • Gibt es gruppenspezifische Angebote für die WG?
  • Bietet die WG regelmäßige Aktivitäten außerhalb der Wohnung an? (z. B. Ausflüge, Einkäufe, Spaziergänge)
  • Wird Biographiearbeit praktiziert? (Dient insbesondere bei Menschen mit einer Demenzerkrankung zum Erhalt/zur Förderung noch vorhandener Fähigkeiten)
  • Wird in der WG die Kommunikationsmethode der Validation für Menschen Demenzerkrankung angewendet?
  • Werden in der WG Techniken der Basalen Stimulation angewendet? (Kommunikation über Ansprache der fünf Sinne)
  • Richten sich Angebote (z. B. Essen, Beschäftigung, Einsatz von Medien) nach den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohnenden?
  • Orientieren sich Zeiten für Mahlzeiten und Schlafenszeiten an den individuellen Gewohnheiten der Bewohnenden? Wie flexibel wird das gehandhabt?
  • Kann ein Haustier mitgebracht werden?
  • Ist der Umgangston zwischen allen Beteiligten respektvoll?

Finanzierung

  • Gibt es getrennte Verträge für Miete und Pflege?
  • Scheinen Vermietung und Pflegedienst darüber hinaus auch tatsächlich unabhängig voneinander zu sein?
  • Werden alle Kosten transparent und nachvollziehbar dargestellt? (Miete mit Nebenkosten, Haushaltsgeld, Pflege und Betreuungskosten, sonstige Kosten, z.B. Verwaltungspauschale). Bitten Sie um schriftliche Kostenvoranschläge!
  • Können alle Kosten dauerhaft aus eigenen Einkünften gedeckt werden? Lassen Sie sich ggf. vor dem Einzug vom zuständigen Sozialamt beraten, welche Kosten anerkannt werden und inwieweit sich Angehörige ggf. beteiligen müssen.

Die Checkliste baut auf der Checkliste in der Broschüre „Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz „Eine alternative Wohn- und Betreuungsform“ auf. Das Land Berlin stellt in seinem Pflegeportal weitere Informationen zu ambulant betreuten Pflege-Wohngemeinschaften zur Verfügung, u.a. eine Übersicht mit wichtigen Ansprechpersonen in Berlin. Zu finden unter www.berlin.de/sen/pflege